Der richtige Zeitpunkt für die Überarbeitung

Der Blog Schreibwahnsinn stellt diese Woche zum wöchentlichen Autorenwahnsinn eine interessante Frage: „Legst du nach dem Schreiben direkt mit der Überarbeitung los oder lässt du den Text erst einmal liegen?“ Eine Frage, die einen guten Auftakt zu meinen „Nähkästchenplaudereien“ bietet.

Um die Frage direkt zu beantworten: Ich lasse jeden Text erstmal ein paar Wochen liegen, ehe ich ihn überarbeite. Aber es gibt Arbeitsweisen, die jeder für sich selbst entdecken muss. Einige überarbeiten schon, bevor das Manuskript fertig ist, andere schreiben erst die Rohfassung zu Ende. Was ich allerdings jedem raten würde: Überarbeitet nicht direkt ohne Pause das Stück, dass ihr gerade geschrieben habt.

Denn Perfektionismus ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits will jeder Autor, dass jeder einzelne Satz, jedes Wort perfekt ist und sich zu einem stimmigen, harmonischen Ganzen zusammenfügt – andererseits sorgt aber gerade auch das für Blockaden, weil eben niemand auf Anhieb so perfekt schreibt. Wer aber in der ersten Version schon versucht, perfekt zu schreiben, wird wahrscheinlich so oft Wörter löschen und neu schreiben, dass am Ende des Tages nur ein neuer Satz auf dem Papier steht.

Daher mein Tipp: schreibt einfach frei von der Leber weg – und wenn ihr den kleinen Perfektionist in euch nicht so lange ausstellen könnt, bis die erste Fassung fertig ist, dann überarbeitet am nächsten Tag einfach das Stück, das ihr am Vortag geschrieben habt – aber nicht mehr. Der Abstand zum Text ist zwar nicht ganz so groß wie nach einigen Wochen, eventuell fällt euch aber dennoch mit der Zeit auf, dass ihr gar nicht so schlecht schreibt, wenn ihr den inneren Kritiker einfach mal still sein lasst.

Ich persönlich überarbeite nicht, während ich die erste Fassung schreibe. Ich habe festgestellt, dass die Chance, ein Buch zu beenden, bei mir größer ist, wenn ich die Überarbeitung ganz an den Schluss des Schreibprozesses stelle. Und darauf kommt es doch vor allem an: nicht nur schreiben, sondern das Geschriebene auch zu einem Ende zu bringen.

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