Wie erschaffe ich ein Fantasyvolk?

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Ein phantastischer Roman kann viele phantastische Bestandteile haben: Magie, Zauberei, fremde Völker oder ein ganz neues Element. Er kann in der uns bekannten Welt spielen oder in einer anderen, die nach gänzlich anderen Regeln funktioniert. Regeln sind hier das Stichwort: Wenn die Regeln für den Leser nicht nachvollziehbar sind, funktioniert die ganze Geschichte nicht. Anhand meines Volks, der Kantàlin, möchte ich euch gern zeigen, wie ihr ein eigenes Volk entwickeln könnt.

1. Die Fähigkeiten
Was kann dein Volk? Wo sind die Schwächen? Was macht es einzigartig?
Zuerst hatte ich die Unsterblichkeit im Sinn, gepaart mit der Eigenschaft, keine Nässe zu spüren. Bei genauerem Überlegen packte ich noch die Unverwundbarkeit hinzu – durch Kopfabschlagen oder Krankheit können sie aber trotzdem sterben, damit sie nicht zu übermächtig sind. Magie wirken sie keine. Wunderschön sind sie außerdem – das lag allerdings weniger an einem bestimmten Grund als vielmehr an meiner jugendlichen Vorstellung, dass alle Fantasiewesen irgendwie hübsch sind.

2. Die Heimat

(c) Marion Hientz

(c) Marion Hientz

Die nächste Frage, die sich stellt, ist: wo lebt das phantastische Volk?
Ich wollte in der uns bekannten Welt bleiben und suchte einen mystischen Ort – das Bermuda-Dreieck oder Atlantis fielen mir ein, nach ein wenig Recherche entschied ich mich für Atlantis. Bei mir ist es allerdings eine Insel und keine Stadt – soviel dichterische Freiheit muss sein. Ich entschied mich gegen das Bermuda-Dreieck, weil es zu viele Erklärungen erfordert hätte. Atlantis ist schon eine Legende, meine eigene darum herum zu schreiben war nicht weiter schwierig. Falls ihr vorhabt, eine eigene Welt zu bauen, kann ich euch nur wärmstens einen Ausflug zu den Weltenbastlern empfehlen. Sie haben auch mir damals sehr geholfen, Atlantis zu etwas greifbarem zu machen und nicht nur zu einer x-beliebigen Insel im Meer.

3. Die Geschichte
Einer der wichtigsten Punkte: wie entstand dein Fantasyvolk? Gab es das schon immer? Warum verhalten sie sich so, wie sie es tun?
Meine Kantàlin sind friedliebend, weil sie als Menschen und auch noch in den ersten Jahren als Zeitlose mordend und plündern durch die Welt zogen, aber merkten, dass sie dies nicht über Jahrtausende tun wollen. Erschaffen wurden sie von einem Thuata Dé Danann, der sich gerne in die Geschicke der Menschen einmischte. Hier erklärt sich außerdem, warum die Kantàlin keine Magie wirken können: Eigentlich sind sie normale Menschen. Aus Reue über das, was der Thuata Dé Danann den Menschen angetan hatte, besorgte er ihnen die Heimat Atlantis, damit sie fortan in Frieden leben können. Diesen Frieden können sie aufrecht erhalten, weil die Kantàlin fast keine Gefühle mehr haben. Sie verdrängen sie, haben zum größten Teil sogar schon vergessen, was es heißt zu fühlen.

4. Das Gesellschaftssystem
Wie lebt das Volk zusammen? Gibt es eine Monarchie, Aristokratie, Diktatur, Demokratie?
Ich habe die Gilden als oberste Instanz entwickelt, sowie das Alter. Die ältesten einer jeden Gilde entscheiden über die wichtigen Dinge und niemand stellt dies in Frage. In den Siedlungen sind es die jeweils ältesten der Siedlung, unabhängig von den Gilden. Der Siedlungsrat steht aber immer noch unter dem Ältestenrat. Ich habe sozusagen eine etwas andere Form der Aristokratie gewählt. Kantàlin, die alt genug für eine Gilde sind, aber keiner beitreten, stehen ganz am Ende der Gesellschaft und es dauert lange, bis sie sich wieder ein wenig Ansehen erarbeitet haben.

5. Der Name und die Sprache
Wie heißt dein Volk? Hat es eine eigene Sprache?
Es ist natürlich möglich, dass du eine Variation der bekannten Fantasyvölker (Elfen, Zwerge etc.) erschaffst. Du kannst aber auch, wie ich, ein komplett neues Volk mit neuem Namen erschaffen. Kantàlin habe ich gewählt, weil mir der Klang gefiel. Abgesehen von ein paar Ausdrücken habe ich keine eigene Sprache entwickelt – einfach, weil mir das nicht liegt. Ich bewundere Tolkien für sein Elbisch und Star Trek für sein Klingonisch. Für mich ist die Sprachentwicklung aber nichts.

6. Einbettung in die Welt
Wie sehen andere Völker dein Volk? Was hält dein Volk von den anderen auf der Welt? Wie interagieren sie miteinander?
Dieser Punkt gehört gut ausgearbeitet. Es gibt ein paar Stereotypen – Zwerge mögen keine Elfen, beide mögen keine Orks – aber mit einem neuen Volk heißt es, auch neue Sympathien und Antipathien zu entwickeln. Meine Kantàlin stehen den Menschen recht gleichgültig gegenüber, sie interessieren sich nur für die Geschichte der Welt. Vor den Menschen verstecken sie sich, weil diese ihnen ihre Fähigkeiten neiden. Was passiert, wenn dieser Neid zu Hass umschlägt, ist in meinem Buch „Spür den Regen“ beschrieben.

Mit diesen 6 Punkten solltet ihr es schaffen, ein einigermaßen logisch erklärbares Fantasyvolk zu erschaffen, dessen Regeln für die Leser nachvollziehbar sind. Viel Spaß beim Basteln!

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